Mitte April dieses Jahres ist unsere Organisation als Initiative erstmals an die Öffentlichkeit getreten, Ende Juli haben wir uns dann mit der Veröffentlichung der Programmatischen Thesen offiziell gegründet. Grund genug, um euch einen Einblick in den Stand unseres Aufbaus zu geben und einen Ausblick für das restliche Jahr und den Anfang des nächsten Jahres zu bieten.
Theorieentwicklung
Mit der Veröffentlichung der Programmatischen Thesen konnten wir die einheitliche Grundlage unserer Organisation legen und einer geneigten Öffentlichkeit zugänglich machen. Seitdem haben wir auf ganz unterschiedlichen Ebenen die Thesen diskutiert: im Online- und Offline-Austausch mit Genossen, die sich sehr intensiv mit ihnen auseinandergesetzt haben, im Rahmen unseres ersten und bald zweiten Lesekreises sowie durch diverse Rückmeldungen in Online-Foren. Wir erfassen akribisch alle Gedanken, die an uns herangetragen werden, und werten diese in geordneter Form aus. Einige Diskussionen haben so bereits dazu geführt, dass wir in Kürze eine erste Aktualisierung (Version 1.1) der Staats- und Ökonomie-Thesen vornehmen werden. Wir halten es für wichtig, dass unsere Grundlage ein dynamisches Dokument ist, welches sich mit dem Fortschreiten unserer Organisation weiterentwickelt und nicht nur eine plumpe Pflichtaufgabe war, die wir nun zu den Akten legen können, da sie erledigt ist. Wir hoffen, nach dem Abschluss unseres Lesekreises zu den Programmatischen Thesen in der ersten Hälfte des nächsten Jahres eine generalüberarbeitete Version 2.0 zu veröffentlichen, welche wir dann in professioneller Form in den Druck geben können, sodass die Thesen auch als Broschüre vorliegen.
Unsere Theoriearbeit beschränkt sich unterdessen nicht nur auf die Thesen selbst. Zum einen stellen diese lediglich die Grundlage für die Erarbeitung eines künftigen Programms dar. Zum anderen wollen wir mit dem Ende des Lesekreises im kommenden Jahr dazu übergehen, Schulungen zu den zentralen Themen der Thesen anzubieten. Im Text „Zur Frage der Einheit im Plattformismus“ vom 26. August haben wir bereits über die Wichtigkeit eines Schulungskonzepts für eine spezifische Organisation geschrieben. Aktuell sind wir dabei, ein entsprechendes Konzept zu entwickeln.
Analyse, Historie und Meinungsbeiträge
Wer uns verfolgt, dem ist aufgefallen, dass wir hin und wieder auch über die Thesen hinaus unterschiedliche Texte veröffentlichen. So haben wir sowohl historische Texte über die Märtyrer des 1. Mai als auch die Freunde Durrutis produziert, aber auch eine aktuelle Analyse der Angriffe auf den Sozialstaat formuliert und uns mit der Frage der Einheit im Plattformismus im Kontext eines Meinungsbeitrags beschäftigt. Wir denken, dass solche Beiträge eine schöne Ergänzung zu unseren zentralen Publikationen sind, und hier werden euch im Laufe des Jahres noch ein paar weitere spannende Texte im Bereich der aktuellen Analyse erwarten.
Vor allem aber arbeiten wir an der Erstellung einer Situationsanalyse als nächste zentrale Publikation unserer Organisation nach den Programmatischen Thesen. Das Konzept der Situationsanalyse ist besonders in Lateinamerika in den especifistischen Organisationen des Anarchokommunismus bekannt. Der Gedanke ist hierbei, eine Bestimmung der aktuellen politischen Situation des eigenen Landes vorzunehmen, sich anzuschauen, in welcher Situation sich die lohnabhängige Klasse befindet und was dies für uns als Revolutionäre bedeutet.
Veranstaltungen, Infostände und sonstige Aktivitäten
Neben unseren Lesekreisen haben wir auch einen Infotisch und weitere Veranstaltungen durchgeführt. Wie beispielsweise unseren Stand beim Imperialismus-Vortrag von Fabian Lehr in Dortmund, unser kommender Vortrag zum AFD Verbot, oder unsere Filmveranstaltung zum Spanienkämpfer Karl Brauner, aber auch darüber hinaus haben wir einige Aktivitäten entwickelt. So legen wir Wert auf Zusammenkommen und Kultur unterschiedlicher Art, wir waren zusammen picknicken und haben oft nach anderen Aktivitäten schöne gemeinsame Abende verbracht. Mit der Entwicklung eigener Materialien haben wir darüber hinaus eine gewisse Straßenpräsenz entfaltet und waren auch auf der ein oder anderen Demonstration zugegen, gerade im Kontext der Mobilisierungen gegen die Reformpläne der Regierung.
Dies werden wir entsprechend fortführen, uns ist aber wichtig zu erwähnen, dass wir dies nicht als primäre Praxis neben der Theoriearbeit verstehen. Unsere primäre Praxis liegt in konkreter Basisarbeit.
Verkünden können wir bereits, dass wir unser Veranstaltungsprogramm neben dem bisher Bekannten bald auch noch ausweiten werden. So haben wir eine Veranstaltungsreihe an der Technischen Universität Dortmund geplant, um unsere Inhalte noch weiter als bisher in unserer Stadt zu verbreiten.
Praxis
Wie erwähnt, ist der Fokus unserer Praxisbemühungen die Basisarbeit. In unserem Fall fokussieren wir diese auf das Wirken in unserer Nachbarschaft. Auf der Grundlage dessen, dass die Situation, in der wir uns gerade befinden, in Dortmund, aber auch bundesweit nur wenige größere soziale Kämpfe kennt, erscheint uns der Fokus auf die alltägliche Arbeit an der Basis als das Sinnvollste. Als Mitglieder der KU haben wir uns bereits vor der Entwicklung unserer Organisation in unterschiedlicher Intensität an der Entwicklung von Basisinitiativen beteiligt. Dafür, dass wir als Organisation diese Bemühungen nun koordinieren und auf strategisch zielgerichtete Bahnen lenken, haben wir in den letzten Wochen die Grundlage gelegt. Im Laufe dieses Jahres beabsichtigen wir nun, innerhalb unserer Basisarbeit dazu beizutragen, die Bedingungen dafür zu schaffen, im kommenden Jahr Ansätze der Massenorganisation zu schaffen, die partizipativ für möglichst viele Menschen sind und die durch die Nachbarschaft selbst organisiert werden. Der Beitrag dazu stellt für uns eine entscheidende Aufgabe dar, in deren Verlauf wir viel Energie stecken werden.
Lokaler Aufbau
Sehr zufrieden sind wir unterdessen gerade damit, wie der lokale Aufbau unserer Organisation in Dortmund verläuft. Das Interesse, welches wir an unserem Ansatz verspüren, liegt hier über unseren Erwartungen. Viele neue und altbekannte Gesichter bewegt unser Aufbruch, was uns unglaublich viel Energie gibt. Dies hat uns bereits ermöglicht, ein Umfeld um die Organisation aufzubauen, welches dazu gedacht ist, einen ersten niedrigschwelligen Zugang zur Kommunistischen Union zu schaffen. Das Umfeld ist dazu gedacht, eine lebendige Struktur für alle zu sein, die eine Mitgliedschaft in der KU anstreben oder ohne große Verbindlichkeit den Weg der KU unterstützen, weil sie von diesem überzeugt sind, ohne aber selbst eine Mitgliedschaft anzustreben. Besonders großen Wert legen wir dabei darauf, dass wir einander auf Augenhöhe begegnen und das Umfeld ein lebendiger Ort der Diskussion, des Kampfes und der gemeinschaftlichen Kultur ist. Wenn du dich also von unserem Ansatz auch angesprochen fühlst und aus der Region kommst, zögere nicht, uns online zu kontaktieren oder zu unseren Veranstaltungen zu kommen. Wir freuen uns auf dich.
Überregionaler Aufbau
Für alle, die nicht aus der Region kommen, haben wir mit einem überregionalen Forum ebenfalls die Möglichkeit geschaffen, sich auf der Grundlage unserer Programmatischen Thesen zu vernetzen und auszutauschen. Hier spüren wir deutlich, dass es eine gewisse Zeit braucht, bis sich in dieser Hinsicht eine gewisse Dynamik aufbaut. Umso erfreulicher ist für uns gewesen, dass wir von verschiedenen anarchokommunistischen Organisationen bereits Glückwünsche und Interesse entgegengebracht bekommen haben. Hier sind wir aktuell dabei, uns tiefer zu vernetzen. Wenn du oder deine Organisation unseren Ansatz spannend finden, zögert ebenfalls nicht, uns zu kontaktieren.
Abschließendes
Abschließend lässt sich resümieren, dass wir höchst zufrieden mit dem Start unserer Organisation sind. Wir sind der festen Überzeugung, dass es uns gelingen wird, eine schlagkräftige Organisation aufzubauen, und gehen frohen Mutes in die nächste Phase unseres Aufbaus über, ohne zu verkennen, dass die Zeiten für eine sozialrevolutionäre Bewegung alles andere als günstig stehen. Umso wichtiger ist es gerade jetzt, alle konstruktiven Kräfte zu sammeln, um sich für die kommenden schweren Jahrzehnte des Kampfes möglichst gut zu wappnen. Voran! Versinken wir nicht in der Trostlosigkeit unserer Zeit, sondern stellen uns den Herausforderungen, die vor uns liegen.